ETF oder Tagesgeld? Welches Geld gehört wohin?
Du hast Geld übrig und möchtest es sinnvoll zur Seite legen.
Dann kommt ziemlich schnell die Frage:
ETF oder Tagesgeld?
Die Antwort ist weniger kompliziert, als sie oft gemacht wird.
Denn die erste Frage sollte nicht lauten:
„Wo bekomme ich die höchste Rendite?“
Sondern:
„Wann brauche ich dieses Geld wieder?“
Genau davon hängt ab, ob Sicherheit und schnelle Verfügbarkeit wichtiger sind oder ob dein Geld über viele Jahre wachsen darf.
Tagesgeld und ETF haben unterschiedliche Aufgaben
Tagesgeld und ETF sind für mich keine direkten Konkurrenten.
Sie erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Das Tagesgeld eignet sich für Geld, auf das du in absehbarer Zeit zugreifen können möchtest.
Ein breit gestreuter Aktien-ETF kann dagegen ein Baustein für langfristigen Vermögensaufbau sein.
Problematisch wird es, wenn diese beiden Aufgaben vermischt werden.
Ein typisches Beispiel:
Du möchtest in zwei Jahren ein Auto kaufen und legst dafür monatlich Geld zurück.
Dieses Geld vollständig in einen Aktien-ETF zu investieren, kann problematisch sein.
Denn niemand weiß, wo die Börse genau in zwei Jahren steht.
Vielleicht hat sich dein Depot gut entwickelt.
Vielleicht liegt genau dann aber eine schwache Börsenphase hinter uns und dein Depot steht deutlich niedriger.
Wenn du das Auto trotzdem kaufen musst, bleibt dir möglicherweise keine Zeit, eine Erholung abzuwarten.
Aktien-ETFs können zeitweise stark im Wert schwanken. Genau deshalb eignen sie sich schlecht für Geld, das in naher Zukunft vollständig benötigt wird.
Wann ist Tagesgeld sinnvoll?
Tagesgeld ist für mich vor allem Geld mit einer kurzen oder klar planbaren Aufgabe.
Zum Beispiel:
- dein Notgroschen
- die nächste größere Autoreparatur
- Urlaub
- eine geplante größere Anschaffung
- Geld für eine Weiterbildung
- ein Teil des Eigenkapitals für eine bald geplante Immobilie
Hier geht es nicht darum, die maximale Rendite zu erzielen.
Hier geht es darum, dass das Geld verfügbar ist, wenn du es brauchst.
Beispiel
Du möchtest in zwei Jahren 8.000 Euro für ein neues Auto zur Verfügung haben.
Dann hat dieses Geld einen festen Zweck und einen relativ kurzen Zeitraum.
In dieser Situation wäre mir persönlich wichtiger, dass die 8.000 Euro zum geplanten Zeitpunkt noch vollständig vorhanden sind, als die Chance auf eine höhere Rendite einzugehen.
Genau dafür kann Tagesgeld sinnvoll sein.
Und was ist mit dem Notgroschen?
Der Notgroschen hat noch einmal eine besondere Aufgabe.
Er ist für Dinge gedacht, die du gerade nicht planen kannst.
Die Waschmaschine geht kaputt.
Das Auto muss unerwartet in die Werkstatt.
Eine größere Rechnung kommt.
Oder dein Einkommen fällt kurzfristig niedriger aus.
In solchen Situationen solltest du nicht erst überlegen müssen, ob gerade ein guter Zeitpunkt ist, deine Geldanlage zu verkaufen.
Deshalb gehört der Notgroschen für mich grundsätzlich in einen Bereich, auf den du schnell zugreifen kannst.
Bei Tagesgeldkonten greift in Deutschland grundsätzlich die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro je Kundin oder Kunde und Bank.
Wann kann ein ETF sinnvoll sein?
Bei einem ETF sieht die Aufgabe anders aus.
Hier geht es nicht um die Rechnung im nächsten Monat.
Es geht um Geld, das über viele Jahre arbeiten darf.
Zum Beispiel für:
- langfristigen Vermögensaufbau
- Altersvorsorge
- finanzielle Ziele in ferner Zukunft
- Kapital, das du wahrscheinlich viele Jahre nicht benötigst
Bei breit gestreuten Aktien-ETFs investierst du nicht nur in ein einzelnes Unternehmen, sondern kannst dein Geld über viele Unternehmen, Branchen und Länder verteilen.
Damit verschwinden Schwankungen nicht.
Du verteilst aber das Risiko deutlich breiter als beim Kauf einzelner Aktien.
Die Verbraucherzentrale sieht breit gestreute Aktienanlagen ebenfalls vor allem als langfristige Geldanlage. Geld, das in den kommenden Jahren benötigt wird, sollte dagegen deutlich vorsichtiger angelegt werden.
Wie lang ist „langfristig“?
Hier würde ich nicht mit einer harten Grenze arbeiten.
Ein sinnvoller Orientierungsrahmen kann sein:
Geld innerhalb der nächsten 5 Jahre benötigt
Sicherheit und Verfügbarkeit stehen klar im Vordergrund.
Tagesgeld oder je nach geplantem Zeitpunkt auch Festgeld können besser passen.
Geld wahrscheinlich erst in 5 bis 10 Jahren benötigt
Hier solltest du genauer hinschauen.
Wie flexibel ist dein Ziel?
Könntest du den Kauf im Zweifel verschieben?
Wie viel Schwankung kannst und möchtest du aushalten?
Je nach Situation kann eine Mischung aus sicheren und schwankenden Anlagen sinnvoller sein als eine reine Entweder-oder-Entscheidung.
Geld für 10 Jahre oder länger
Jetzt wird ein breit gestreuter Aktien-ETF als Baustein deutlich interessanter.
Je länger dein Anlagezeitraum ist, desto mehr Zeit hast du, zwischenzeitliche Börsenrückgänge auszusitzen.
Auch die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass der Anlagehorizont bei Aktien eine große Rolle spielt und kurzfristige Schwankungen erheblich sein können.
Ein Konto für alles macht Finanzplanung unnötig schwer
Viele Menschen haben einen großen Geldtopf.
Dort landet:
Gehalt.
Rücklage.
Urlaubsgeld.
Geld fürs Auto.
Sparen.
Und irgendwann vielleicht noch ein ETF-Sparplan.
Dann sieht man zwar einen Kontostand, weiß aber nicht mehr genau, welche Aufgabe das Geld eigentlich hat.
Deshalb arbeite ich lieber mit verschiedenen finanziellen Bereichen.
1. Kurzfristige Sicherheit
Hier liegt dein Notgroschen.
Das Geld soll verfügbar und stabil sein.
2. Mittelfristige Ziele
Urlaub, Auto, Weiterbildung, Eigenkapital oder andere geplante Ausgaben.
Auch hier spielt der Zeitpunkt eine große Rolle.
3. Langfristiger Vermögensaufbau
Dieses Geld brauchst du heute nicht und sehr wahrscheinlich auch in den nächsten Jahren nicht.
Hier können Anlagen wie breit gestreute ETFs eine Rolle spielen.
Dieses Drei-Bereiche-Modell nutze ich auch in meinem Beitrag „Vermögen aufbauen: So kommst du Schritt für Schritt zur ersten Million“. Dort geht es noch stärker darum, wie Rücklagen, mittelfristige Ziele und langfristiges Vermögen zusammenspielen.
Beispiel aus dem Alltag
Nehmen wir an, du hast 15.000 Euro angespart.
Statt einfach zu fragen:
„Soll ich die 15.000 Euro in einen ETF investieren?“
würde ich zuerst aufteilen.
5.000 Euro
Dein Notgroschen.
→ kurzfristig verfügbar halten
4.000 Euro
Geplant für Auto, Urlaub und eine größere Anschaffung in den nächsten drei Jahren.
→ ebenfalls sicherer Bereich
6.000 Euro
Für dieses Geld gibt es aktuell keinen kurzfristigen Zweck. Es soll langfristig Vermögen aufbauen.
→ erst jetzt wird die Frage nach einer langfristigen Geldanlage interessant.
Natürlich sind diese Zahlen nur ein Beispiel.
Der Punkt ist ein anderer:
Erst bekommt dein Geld eine Aufgabe. Dann suchst du die passende Anlage dafür.
Nicht umgekehrt.
„Aber auf dem Tagesgeld verliere ich doch Geld durch Inflation“
Das Argument stimmt teilweise.
Wenn die Inflation dauerhaft höher ist als dein Tagesgeldzins, verliert dein Geld real an Kaufkraft.
Das bedeutet aber nicht automatisch, dass deshalb jeder Euro investiert werden sollte.
Der Notgroschen soll keinen Vermögensrekord aufstellen.
Seine Aufgabe ist Sicherheit.
Das Geld für deine Altersvorsorge hat dagegen eine völlig andere Aufgabe.
Dort kann es problematisch sein, große Summen jahrzehntelang ausschließlich auf einem niedrig verzinsten Konto liegen zu lassen.
Sicherheit kostet Renditechance. Renditechance bringt Schwankungen.
Deshalb gibt es nicht die eine Anlage, die für jeden Zweck perfekt ist.
ETF oder Tagesgeld? Eine einfache Entscheidungshilfe
Bevor du Geld anlegst, beantworte vier Fragen:
1. Wann brauche ich das Geld?
Je früher du es brauchst, desto wichtiger wird Stabilität.
2. Ist der Zeitpunkt flexibel?
Eine Altersvorsorge in 25 Jahren ist etwas anderes als das Auto, das du nächstes Jahr kaufen musst.
3. Was passiert, wenn die Börse genau dann 30 Prozent niedriger steht?
Kannst du warten?
Wenn nicht, gehört dieses Geld wahrscheinlich nicht vollständig in Aktien.
4. Welche Aufgabe hat das Geld?
Notgroschen?
Urlaub?
Eigenkapital?
Altersvorsorge?
Vermögensaufbau?
Erst wenn diese Frage beantwortet ist, würde ich über das konkrete Produkt sprechen.
Mein Blick darauf
Bei Geldanlage wird häufig sofort über Produkte gesprochen.
ETF.
Tagesgeld.
Fonds.
Versicherung.
Depot.
Dabei fehlt davor ein Schritt:
Ordnung.
Du solltest wissen:
- Was brauchst du kurzfristig?
- Welche Ausgaben kommen in den nächsten Jahren?
- Wie groß sollte dein finanzieller Puffer sein?
- Welches Geld darf langfristig liegen bleiben?
Dann wird auch die Frage „ETF oder Tagesgeld?“ deutlich einfacher.
Denn häufig lautet die Antwort gar nicht:
entweder oder.
Sondern:
beides, aber für unterschiedliche Aufgaben.
Du möchtest deine Finanzen einmal sauber sortieren?
Wenn du gerade vor deinen Konten, Rücklagen, Verträgen und Sparplänen sitzt und nicht genau weißt, wo du anfangen sollst, musst du nicht sofort irgendein Finanzprodukt auswählen.
Der erste Schritt ist ein klarer Überblick.
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