Wenn ich heute noch einmal 20 wäre: Das würde ich bei meiner Altersvorsorge anders machen
Wenn ich heute noch einmal 20 wäre, würde ich bei meinen Finanzen nicht versuchen, alles von Anfang an perfekt zu machen.
Ich würde auch nicht versuchen, sofort das „beste“ Finanzprodukt zu finden.
Eine Sache würde ich aber definitiv anders machen:
Ich würde früher anfangen.
Nicht unbedingt mit viel Geld. Nicht mit einem komplizierten Plan. Sondern damit, meine Finanzen zu verstehen und erste kleine Entscheidungen zu treffen.
Denn rückblickend ist Zeit einer der größten Vorteile, die wir beim Vermögensaufbau und bei der Altersvorsorge haben.
Und genau diesen Vorteil unterschätzen viele.
Junge Menschen wissen, dass Altersvorsorge ein Thema ist
Das Interesse fehlt keineswegs.
Die MetallRente-Studie „Jugend, Vorsorge, Finanzen 2025“ hat rund 2.500 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 17 und 27 Jahren repräsentativ befragt. 54 Prozent sparen bereits für ihre Altersvorsorge. Gleichzeitig sagt nur etwa ein Drittel, dass es sich mit Altersvorsorge auskennt. 75 Prozent haben Angst davor, später nur eine geringe Rente zu bekommen und finanziell schlecht dazustehen.
Das zeigt für mich ziemlich gut, wo das eigentliche Problem liegt:
Viele wollen etwas tun.
Sie wissen nur nicht genau, was.
Eine weitere repräsentative Befragung von forsa im Auftrag von ING Deutschland und Visa kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Unter den rund 1.000 befragten 18- bis 30-Jährigen machten sich 83 Prozent Sorgen um ihre finanzielle Sicherheit im Ruhestand. 55 Prozent sparen bereits mit dem Ziel Altersvorsorge.
Es mangelt also nicht unbedingt an Interesse.
Es mangelt häufig an Orientierung.
Was ich meinem 20-jährigen Ich sagen würde
1. Fang nicht mit einem Produkt an. Fang mit deinem Leben an.
Mit 20 hätte ich wahrscheinlich gedacht:
Altersvorsorge bedeutet, irgendeinen Vertrag abzuschließen.
Heute würde ich anders beginnen.
Ich würde mir zuerst anschauen:
Was kommt jeden Monat rein?
Was geht raus?
Welche Rücklagen habe ich?
Welche Ziele habe ich in den nächsten Jahren?
Und welcher Betrag wäre realistisch, ohne dass mein ganzes Leben nur noch aus Sparen besteht?
Denn eine Altersvorsorge muss zu deinem Leben passen.
Nicht umgekehrt.
2. Warte nicht darauf, dass du „genug“ verdienst
Das ist einer der häufigsten Gedanken:
„Wenn ich später mehr verdiene, kümmere ich mich darum.“
Das klingt zunächst logisch.
Das Problem: Aus „später“ werden schnell fünf oder zehn Jahre.
Und bei langfristigem Sparen sind genau diese Jahre wertvoll.
Ein vereinfachtes Rechenbeispiel zeigt, warum.
Nehmen wir an, jemand legt ab dem 20. Lebensjahr monatlich 100 Euro zurück und erzielt langfristig durchschnittlich 5 Prozent Rendite pro Jahr.
Bis zum Alter von 67 Jahren würden daraus rechnerisch rund:
226.000 Euro.
Davon wären nur 56.400 Euro selbst eingezahlt.
Beginnt dieselbe Person erst mit 30 und spart ebenfalls 100 Euro monatlich bis 67, wären es unter denselben Annahmen nur etwa:
128.000 Euro.
Zehn Jahre machen in diesem Beispiel also einen Unterschied von fast 100.000 Euro.
Um mit 30 noch auf ungefähr dasselbe Ergebnis wie beim Start mit 20 zu kommen, müsste die monatliche Rate statt 100 Euro bereits bei ungefähr 177 Euro liegen.
Natürlich ist das nur ein mathematisches Beispiel. Eine konstante Rendite von 5 Prozent ist nicht garantiert. Kosten, Steuern, Inflation und Schwankungen sind hierbei nicht berücksichtigt.
Aber das Prinzip wird deutlich:
Wer mehr Zeit hat, muss nicht zwangsläufig mit hohen Beträgen beginnen.
3. Ich würde meine gesetzliche Rente früher verstehen
Mit Anfang 20 wirkt die gesetzliche Rente ungefähr so weit entfernt wie ein anderes Leben.
Trotzdem lohnt es sich, früh zu verstehen, wie das System grundsätzlich funktioniert und welche Ansprüche man selbst aufbaut.
2024 waren 87,2 Prozent der Erwerbspersonen in Deutschland gesetzlich rentenversichert. Die gesetzliche Rentenversicherung betrifft damit den Großteil der arbeitenden Bevölkerung.
Das durchschnittliche Renteneintrittsalter bei Altersrenten lag 2024 bei 64,7 Jahren. Gleichzeitig wurde eine Rente im Durchschnitt 21,7 Jahre lang bezogen.
Das bedeutet vereinfacht:
Wir planen finanziell nicht für ein paar Jahre nach dem Berufsleben.
Es können zwei Jahrzehnte oder mehr sein.
Genau deshalb würde ich meinem jüngeren Ich sagen:
Schau dir deine Renteninformation an. Verstehe, was dort steht. Und überlege dann, welchen Lebensstandard du später selbst haben möchtest.
4. Rücklagen kämen vor langfristiger Geldanlage
Auch das würde ich heute anders priorisieren.
Bevor jeder freie Euro langfristig gebunden oder investiert wird, würde ich zunächst eine vernünftige Rücklage aufbauen.
Denn das Leben interessiert sich wenig dafür, dass Geld eigentlich für das Jahr 2065 vorgesehen war.
Das Auto geht kaputt.
Die Waschmaschine gibt auf.
Ein Umzug steht an.
Oder das Einkommen fällt kurzfristig geringer aus.
Eine Rücklage verhindert, dass langfristige Anlagen bei jedem unerwarteten Ereignis wieder angefasst werden müssen.
Dass dieses Thema viele Menschen beschäftigt, zeigt auch der Allianz Vorsorge Index 2026. In der repräsentativen Befragung von 1.000 Menschen zwischen 25 und 65 Jahren nannten 61 Prozent den Aufbau finanzieller Reserven für unerwartete Ausgaben als eines ihrer wichtigsten finanziellen Ziele der nächsten fünf Jahre. 55 Prozent nannten einen finanziell komfortablen Ruhestand.
Für mich gehören beide Ziele zusammen.
Erst Stabilität für heute. Dann langfristiger Aufbau für morgen.
5. Ich würde mich weniger davor fürchten, etwas falsch zu machen
Vielleicht ist das sogar der Punkt, den ich meinem 20-jährigen Ich am stärksten mitgeben würde.
Du wirst nicht jede Entscheidung perfekt treffen.
Du wirst Dinge später anders beurteilen.
Du wirst deine Strategie verändern.
Und wahrscheinlich wirst du irgendwann feststellen, dass etwas, das mit 25 zu deinem Leben gepasst hat, mit 35 nicht mehr die richtige Lösung ist.
Das ist normal.
Problematischer ist es, zehn Jahre gar nichts zu machen, weil man Angst vor einer falschen Entscheidung hat.
Auch hier zeigen aktuelle Befragungen ein interessantes Bild.
In der MetallRente-Jugendstudie 2025 sagten mehr als zwei Drittel der 17- bis 27-Jährigen, dass sie sich beim Thema Altersvorsorge wenig oder überhaupt nicht auskennen. 91 Prozent wünschen sich Informationen zur Altersvorsorge in verständlicher Sprache.
Genau deshalb halte ich Finanzbildung für so wichtig.
Menschen brauchen nicht noch mehr Fachbegriffe.
Sie brauchen Informationen, mit denen sie selbst Entscheidungen treffen können.
Viele beschäftigen sich mit Altersvorsorge, fühlen sich aber trotzdem nicht ausreichend vorbereitet
Das Problem verschwindet offenbar nicht automatisch mit zunehmendem Alter.
Der Allianz Vorsorge Index 2026 zeigt: Nur etwa jeder Fünfte der Befragten zwischen 25 und 65 Jahren glaubt, ausreichend für das Alter vorgesorgt zu haben. Weitere 46 Prozent haben zwar bereits etwas für ihre Altersvorsorge getan, halten ihre bisherigen Maßnahmen aber noch nicht für ausreichend.
Gleichzeitig machen sich 31 Prozent Sorgen, zu wenig für ihren Ruhestand zu sparen.
Das finde ich bemerkenswert.
Denn wir sprechen hier nicht nur über Menschen kurz vor der Rente.
Wir sprechen über einen großen Teil der arbeitenden Bevölkerung.
Früh anfangen bedeutet nicht, sein junges Leben wegzusparen
Das ist mir bei diesem Thema sehr wichtig.
Mit 20 sollst du reisen.
Du sollst Freunde treffen.
Du sollst Dinge ausprobieren.
Vielleicht ziehst du in deine erste Wohnung, kaufst dein erstes Auto oder möchtest irgendwann eine Familie gründen.
Altersvorsorge bedeutet für mich nicht:
Heute möglichst wenig leben, damit es dir mit 70 gut geht.
Es geht darum, einen vernünftigen Mittelweg zu finden.
Vielleicht sind am Anfang 50 Euro realistisch.
Vielleicht 100 Euro.
Vielleicht ist gerade erst einmal der Aufbau einer Rücklage dran.
Der Betrag ist individuell.
Der große Unterschied entsteht dadurch, dass du dich überhaupt mit dem Thema beschäftigst.
Ein Blick auf die Realität im Ruhestand
Dass eine eigene Planung sinnvoll sein kann, zeigt auch ein Blick auf die heutige Einkommenssituation älterer Menschen.
Nach Daten des Statistischen Bundesamtes hatte 2024 jede fünfte Person im Ruhestand ab 65 Jahren ein monatliches Nettoäquivalenzeinkommen von maximal 1.400 Euro. Dabei handelt es sich um das gesamte bedarfsgewichtete Haushaltseinkommen und nicht ausschließlich um die gesetzliche Rente.
Das bedeutet nicht, dass jeder junge Mensch später von Altersarmut betroffen sein wird.
Es zeigt aber, warum es sinnvoll ist, sich nicht erst wenige Jahre vor dem Ruhestand Gedanken über die eigene finanzielle Situation zu machen.
Mein Rat an mein 20-jähriges Ich
Wenn ich meinem 20-jährigen Ich heute fünf Sätze mitgeben könnte, wären es diese:
Kenne deine Einnahmen und Ausgaben.
Baue dir eine Rücklage auf.
Beschäftige dich früh mit deiner Altersvorsorge.
Fang lieber klein an, statt auf den perfekten Zeitpunkt zu warten.
Und lass dir Dinge so erklären, dass du sie selbst verstehst.
Denn du musst mit 20 keinen perfekten Finanzplan für die nächsten 50 Jahre haben.
Dein Leben wird sich ohnehin verändern.
Deine Planung darf sich mitverändern.
Aber einen Vorteil kannst du später nicht nachholen:
die Jahre, in denen dein Geld bereits für dich arbeiten könnte.
Wo solltest du anfangen?
Wenn du dich gerade mit deiner Altersvorsorge beschäftigst, würde ich nicht zuerst fragen:
„Welches Produkt brauche ich?“
Sondern:
- Wie sieht meine finanzielle Situation heute aus?
- Welche Rücklagen habe ich?
- Welche bestehenden Vorsorgebausteine gibt es bereits?
- Was kann ich langfristig realistisch zurücklegen?
- Welchen Lebensstandard möchte ich später haben?
Wenn diese Fragen beantwortet sind, wird es wesentlich leichter, über konkrete Lösungen zu sprechen.
Du musst deine Finanzen nicht an einem Wochenende komplett neu ordnen.
Du brauchst nur einen sinnvollen ersten Schritt.
Wenn du herausfinden möchtest, wo du aktuell stehst und welche nächsten Schritte für dich sinnvoll sein könnten, kannst du dich gerne bei mir melden. Gemeinsam schaffen wir zunächst einen Überblick und schauen danach, was tatsächlich zu deiner Situation passt.
17–27-Jährige, die für die Altersvorsorge sparen 54 % (MetallRente)
Junge Menschen mit Angst vor geringer Rente/Altersarmut 75 % (MetallRente)
18–30-Jährige mit Sorgen um finanzielle Sicherheit im Alter 83 % (ING)
Deutsche, die sich ausreichend fürs Alter vorbereitet fühlen ca. 20 % (Allianz.de)
Durchschnittliche Rentenbezugsdauer 2024 21,7 Jahre (Destatis)
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